BIOGRAFIE
Steve Arneil wurde
am 29. August 1934 in Krugerdorps, Südafrika, geboren,
wo sein Vater in einem Stahlwerk arbeitete. Später zog
die FamiIie nach Sambia, wo Vater Arneil als Schmelzer in
einer Kupfermine eine Arbeit fand.
Im Alter von 12 Jahren begann Steve mit Judo unter dem Judoka
Allen Robinson (damals 5. DAN). Ihm gefiel das Training sehr
gut. Er ergänzte es aber noch mit Boxen. Eine Nasenverletzung,
die er während des Boxens zuzog führte zu einer Operation.
Aufgrund der Schläge, die er beim Boxtraining erhielt
und wegen der Operation, verboten ihm die Eltern das Boxen.
Im Jahre 1950 legte er die Prüfung zum Shodan im Judo
erfolgreich ab.
Während dieser Zeit sah Steve des öftern einen alten
Chinesen hinter dessen Laden Kempo und Tai Chi trainieren.
Mit ihm konnte er zwei Jahre mittrainieren. Gieichzeitig arbeitete
er als Mechanikerlehrling und betätigte sich zusätzlich
in diversen Sportarten, so auch Rugby. In der Rugbymannschaft
war er einer der jüngsten Spieler, welcher die Farben
der Nationalmannschaft von Nordrhodesien tragen dufte. Seine
Mannschaft trat international gegen Simbabwe, England und Wales
an.
Während seinen Ferien in Durban traf er einige Judokas,
die Karate von japanischen Bootsarbeitern gelernt hatten. Dabei
erhielt er seine ersten richtigen Karatelektionen von einem
Okinawer, der ihn für einen Monat im Goju-Ryu unterrichtete.
Da das Training sehr hart und aggressiv war, war Steve begeistert
davon. Später, nach erfolgreich absolviertem Lehrabschluss,
kehrte er nach Südafrika zurück. Dort suchte er japanische
Bootsarbeiter, die meist auf Südamerikanischen Schiffen
arbeiteten, und trainierte am Abend auf den Schiffen mit ihnen
Karate. Für eineinhalb Jahre reiste Steve in Europa umher,
wo er in Großbritannien wieder Judo betrieb. Nach seiner
Rückkehr in Nordrhodesien setzte er sein Judo- und Kempotraining
fort. Zudem übte er alleine Karate. Damals trainierte
er alles durcheinander und wußte nicht richtig, was er
machte.
Nachdem er eine Kata sah, die Joe Grant - Greerson vorführte,
entschied er, sich auf das Karate zu konzentrieren. Auf Anraten
des inzwischen alt gewordenen Chinesen, wollte er nach China.
Via Südafrika, wo er arbeitete und Geld sparte, verließ er
Rhodesien im Jahre 1958. Auf seiner Reise gelangte er nach
Hong Kong wo er für sechs Monate in einem YMCA-Hotel lebte.
Während dieser Zeit trainiert er in einem Kung Fu Dojo.
Doch das Training sagte ihm nicht zu und er wollte nach China
reisen. Dies wurde ihm allerdings verwehrt. Nach diesem gescheiterten
Vorhaben gelangte er nach Malaysia wo er auf einem Schiff nach
den Philippinen anheuerte. Dort blieb er für sechs Wochen
und arbeitete wieder auf einem Schiff. Er hatte dabei die Möglichkeit,
Messerkampftechniken zu erlernen, welche ihn sehr beeindruckten
und die er heute noch trainiert. Danach kehrte er nach Hong
Kong zurück und setzte die Suche nach demjenigen Mann
fort, welcher von seinem chinesischen Lehrer als sehr diszipliniert
und unheimlich kräftig beschrieben worden war. Dieser
Mann hieß Oyama.
In Yokohama angekommen, ein Fremder in einem fremden Land,
begab er sich ins Kodokan Dojo (Judohauptdojo) nach Tokyo,
wo er den in Amerika bekannten und 1982 verstorbenen Budoka,
Donn Draeger, traf. Draeger war erst vor kurzem aus der Armee
entlassen worden. Steve wußte, dass dieser exzellente
Budoka bei Meister Oyama trainiert hatte und japanisch sprechen
konnte. Gemeinsam begaben sie sich nach Ikebukuro, in die Nähe
der Rikkyo Universität zu Oyamas Dojo. Dieses war klein
und schmutzig. Meister Oyama befand sich zu dieser Zeit gerade
in Amerika. Draeger machte Arneil mit Meister Kurosaki bekannt,
der während der Abwesenheit von Oyama das Training leitete.
Steve wurde gesagt, das er absitzen und dem Training zuschauen
soll. Noch nie in seinem Leben hatte er etwas ähnliches
gesehen. Die Disziplin und das Training waren extrem hart.
Genau das war es, was er suchte. Am liebsten hätte er
sofort mitgemacht, doch es wurde ihm untersagt. Zum Training
bei Oyama müsse er eingeladen werden. Er dachte, das dies
seine erste Lektion der Demut sei und konnte somit nicht vor
der Rückkehr von Meister Oyama mit dem Training beginnen.
Meister Kurosaki erlaubte Steve aber, jeden Tag beim Training
zuzusehen. So kam er täglich ins Dojo, wo er während
sechs Monaten dem Training zusah. Nach jeder Lektion verließ er
das Dojo, ohne dass jemand mit ihm gesprochen hätte, noch
wurde seine Anwesenheit überhaupt erwähnt.
Eines Tages herrschte große Hektik im Dojo, - ein Mann
trat ein. Er war eine sehr beeindruckende Erscheinung, und
Steve wußte sofort, dass dies Meister Oyama war. Seine
Manieren, seine Aura, der Respekt ihm gegenüber, die Aufregung,
man konnte es in der Luft spüren. Meister Oyama erkundigte
sich bei Meister Kurosaki, wer Arneil sei, und Kurosaki erzählte
es ihm. Daraufhin wollte Oyama Donn Draeger sehen, welcher
Oyama erklärte, dass Arneil von Afrika angereist sei,
um bei ihm trainieren zu können. Oyama erklärte Arneil,
wenn er beitreten wolle, müsse er tun, was ihm gesagt
worden sei. Des weitern fragte Oyama, ob Steve in Japan in
anderen Dojos Karate trainiert habe. Arneil antwortete, dass
er bei JKA gewesen sei. Da erklärte Oyama, dass er Steve
eine Weile nicht sehen wolle und er ihm bei den anderen Stilen
viel Glück wünsche. Arneil konnte es kaum glauben,
dass er jeden Tag, sechs Tage die Woche, da war, bereit mit
dem Training zu beginnen, und nun wollte Oyama ihn nicht trainieren
lassen.
Einmal mehr begab sich Arneil nun zuriick ins Dojo der JKA
(Japan Karate Assoziation). Er fand das Shotokan-Karate nicht
gut, es war auch nicht schlecht, es war einfach anders. Danach
ging er zu Gogen Yamaguchi, dessen Training Steve gefiel, und
Yamaguchi wollte, dass er sofort bei ihm anfange. Doch Arneil
hatte sich gedanklich schon fürs Kyokushinkai entschieden.
Dies war das Karate, das ihm zusagte.
Nach einigen Wochen kehrte er nach Ikebukuro zurück,
wo er sich mit Meister Oyama traf. Oyama fragte ihn, ob er
sich andere Stile angesehen und diese auch trainiert habe.
Arneil bejahte dies, bemerkte aber, dass er sich ausschliesslich
fürs Kyokushinkai entschieden habe. Daraufhin bekam er
von Meister Oyama einen Gi, und er begann mit dem Training.
Alles, was er bei den anderen Trainings zuvor gelernt hatte,
kam ihm jetzt zugute. Trotzdem musste er ganz von vorne beginnen.
Stundenlang übte er Faustschläge, nichts als Faustschläge.
Er war oft der Verzweiflung nahe und dachte sich, dass Oyama
ihm gegenüber kein Interesse und VerantwortungsgefühI
habe, - Oyama kritisierte nur. Eines Tages wurde Steve die
Stellung Zen-kutsu-dachi gezeigt. Dies war für ihn ein
Erlebnis, wie frischen Wind zu atmen. Die anderen Weissgurte
und er arbeiteten nun mit einer ungeheuren Begeisterung.
Zu dieser Zeit trainierten ungefähr 50 Schüler im
Dojo, und die Regeln waren klar. Arneils Aufgabe als Weissgurt
lautete, jeden Morgen früh da zu sein und das Dojo zu
reinigen. Auch die Toiletten mussten geputzt werden, wozu er
die Hände nehmen und deshalb nach dieser Arbeit seine
Fingernägel sehr gut reinigen musste. Der Boden des Dojos
war sehr schlecht und vor jedem Training hiess es jeweils,
die Nägel einzuschlagen Auch musste Arneil die Gis der
Schwarzgurte mit nach Hause nehmen, um sie zu waschen Dafür
gab es kein "Danke schön" oder "gut gemacht" -
es wurde als selbstverständlich angesehen. War einmal
ein Gi noch etwas schmutzig, bekam es die ganze Weissgurtklasse
zu spüren..... härteres Training, Iänger bleiben
und manchmal sogar Schläge mit dem Shinai (Bambusstock).
Zu dieser Zeit lebte Arneil in einem kleinen Zimmer in Aoyama,
einige Meilen vom Dojo entfernt, welches gerade gross genug
zum Essen und Schlafen war. Manchmal hatte Arneil Depressionen,
da er völlig auf sich alleine gestellt war. Er konnte
die Sprache nicht sprechen, und das Essen schmeckte ihm nicht.
Alles war ein Kampf, sogar der Kauf eines Zugbillettes. Da
alle Beschriftungen in Japanisch waren, musste er sehr schnell
die Zeichen lernen. Das Leben war hart, und das Training eine
grosse Herausforderung. Tausend Beinschläge an einem Abend
zu machen, war nichts - , man dachte jedenfalls nicht darüber
nach und erduldete es. Und jeden Tag wurde ungefähr eine
Stunde gegen die Schwarzgurte gekämpft, wobei mancher
Prügel einfing. Dies geschah nicht aus Bosheit, sondern
einfach dem harten Charakter des Trainings entsprechend. Durch
diesen Prozess lernte Arneil aber, sich zu verteidigen, schnell
zurückzuschlagen und zu improvisieren.
Als er den 6. Kyu, den ersten Grad im damaligen System machte,
war er immer noch Weissgurt. Dann absolvierte er den 5. Kyu
(Gelbgurt), danach arbeitete er sich zum Grüngurt (4.+3.
Kyu) hoch und schliesslich zum Braungurt (2.+1. Kyu). Er trainierte
jeden Tag, morgens und nachmittags, fünf bis sechs Stunden
im Tag, und dies über eineinhalb Jahre hinweg. Mit dem
Geld, welches er auf den Schiffen in Südafrika gespart
hatte, konnte er sich für diese Zeitspanne nur dem Training
widmen. Der damalige Wechselkurs war gut, weshalb er viel Yen
für sein Erspartes erhielt.
Dann war es endlich soweit, und er meldete sich für die
Shodanprüfung (1. DAN) an, welche äusserst hart und
schwer war. Doch bei Bekanntgabe der Resultate musste Steve
feststellen, dass er durchgefallen war. Er hatte es nicht geschafft
und fühlte sich niedergeschlagen und verschmäht.
Er glaubte und sagte dies auch einigen Freunden, dass er nur
durchgefallen sei, weil er ein Ausländer sei. Natürlich
befand er sich im Irrtum. Und wenn er heute zurückschaut,
so erscheint ihm dieser Entscheid richtig, weil er damals recht
hochnäsig und undiszipliniert war. Das Wichtigste in seinem
Leben war der Schwarzgurt - alles, was er je erreichen wollte.
Doch wenn er damals den Schwarzgurt bekommen hätte, würde
er Japan vermutlich verlassen haben und wäre nach Afrika
zurückgekehrt. Dort hätte er geprahlt, welch grossartiger
Junge er sei - ein Schwarzgurt!
Heute glaubt Arneil, das Kancho erkannte, dass er wohl körperlich,
jedoch geistig noch nicht so weit gewesen war. Doch damals
waren seine Einstellung und seine Gedanken auf dem Nullpunkt,
da er eine Lektion bekam, die ihn aus der Fassung brachte.
Er konnte es nicht glauben und ging zu den Instruktoren und
fragte, ob er es nicht geschafft habe. Diese antworteten lediglich,
dass er nicht auf der Liste sei. Da hoffte er, weil er ein
Ausländer sei, werde er speziell erwähnt. Doch er
redete sich das natürlich nur ein, um die aufkommende
Niedergeschlagenheit zu bekämpfen. Nach langem Warten
brachte er schliesslich genug Courage auf, um zu Kancho (Meister
Oyamas Titel) zu gehen und ihn zu fragen, ob sein Name nicht
auf der Liste sei. Oyama bejahte dies und schaute ihn nur an.
Da fühlte sich Arneil zurückgewiesen und war entschlossen,
nach Hause zu gehen: zur Hölle mit dem Schicksal, all
dem Geld und der Hingabe. Er war überzeugt, dass er zehnmal
besser sei als der andere Schüler, der die Prüfung
bestanden hatte. Für ca. eine Woche trainierte er nicht
und war in einer sehr schlechten Verfassung, war er doch so
von sich selbst überzeugt. Trotzdem ging er zurück
und alle wussten, wie er sich fühlte. Doch in einem Kyokushinkai
- Dojo wird nicht über Gefühle gesprochen, es wird
trainiert.
Nach sechs Monaten fragte ihn Kancho, ob er nochmals zur Shodanprüfung
gehen wolle. Doch Steve war sich nicht sicher, da sein Selbstvertrauen
total zerstört war. Er bemerkte, dass er noch nicht bereit
sei, woraufhin Oyama lachte und ihn ermunterte, es nochmals
zu versuchen. In diesen sechs Monaten hatte Arneil viel über
sich selbst gelernt: Bescheiden und menschlich zu sein, sich
selbst nicht zu überschätzen und nicht zu denken,
dass der Schwarzgurt alles sei. Aber auch nicht zu denken,
dass der Schwarzgurt nichts sei, sondern nur ein Ding, welches
man um den Bauch bindet. Er wurde in dieser Zeit ein erwachsener
Mann.
Arneil machte die Prüfung nochmals und war überzeugt,
sie nicht bestanden zu haben. Die Prüfung war sehr hart,
genau so, wie sie heute von ihm abgenommen wird. Sie dauerte
ununterbrochene fünf Stunden und beinhaltete Taktik, Theorie,
Wissen, Erklärung, Kata, Grundschule, Kombinationen, Bruchtests
und Freikampf. Es gab zwei Bruchtests: der Prüfling konnte
eine Technik selbst wählen und der Experte bestimmte die
andere Technik. Steve wählte damals den Mae-Geri (Vorwärtsfusstritt)
und musste drei Bretter durchschlagen. Als Linkshänder
sollte er die zweite Technik mit der rechten Faust ausführen.
Er schlug sehr hart auf die Bretter, doch sie zerbrachen nicht,
und er dachte sich, dass er nicht genug Kraft habe. Doch die
Experten sagten ihm, dass er es nochmals versuchen solle, und
er konnte fühlen, wie die anderen Schüler sagten: "Los,
los, lass dich nicht gehen." Im Kyokushinkai ist man miteinander
aussergewöhnlich stark verbunden und Arneil konnte diese
Atmosphäre fühlen. Alle wollten, dass er es schaffte
und es gelang ihm. Er schlug drei Bretter, die ein anderer
Student hielt, durch. Trotzdem dachte er nach der Prüfung,
dass er nochmals durchgefallen sei und fand sich damit ab.
Als er in der folgenden Woche zurückkam, sah er seinen
Namen auf der Liste.
Bereits vor der ersten Prüfung hatte er die Dreistigkeit
besessen, einen Schwarzgurt zu kaufen. Doch als er nach erfolgreicher
Prüfung nach Hause kam, sah er sich den Gurt an und traute
sich kaum, ihn anzuziehen. Als er dann das Dojo betrat, fühlte
er sich komisch und die Leute nannten ihn plötzlich Sempai
(Senior). Es war ein schönes Gefühl, doch er fühlte
sich sehr bescheiden. Drei Wochen später erhielt er von
Kancho einen Schwarzgurt, den er noch heute besitzt. Oyama
sagte ihm: "Trage ihn mit Stolz, aber vergiss nie, es
ist nicht der Gurt, es ist der Mann, der ihn trägt, der
zählt!" Das war 1963.
<<< zurück |
 |
<<< zurück |